header_frueh_fb

turnier_der_sieger09
Thomas Frühmann ist 60!

Ein Portrait mit vielen Bildern von Ruth M. Büchlmann

25.01.2011 - Thomas Frühmann. Den Erfolgsreiter machen viele Attribute aus: Sein Gefühl für Pferde, sein Spaß an Musik, aber vor allem seine Liebe zu seiner Familie. „Jeden Tag etwas Spaß haben“, ist sein Motto.

Eine Karriere, die auf unglaublichem Talent und Feingefühl basiert und mit Mut, Offenheit, Ausdauer, aber vor allem auch eigener Leistung an die Weltspitze führte. Geformt aus Höhen und Tiefen, Sieg und Niederlage und der Liebe zum Pferdesport. Das alles und noch viel mehr macht Thomas Frühmann aus. Aber lesen Sie selbst…

TheSixthSense630
Thomas Frühmann und The Sixth Sense im Bild © Michael Rzepa


Kinderlachen schallt aus dem sonnig gelben Haus, dazwischen mischt sich eine tiefe Stimme. Nicht nur der Duft von köstlichem Kaffee, der gerade frisch aufgebrüht wird, macht Lust zum Eintreten. Das wunderschöne Heim von Thomas Frühmann lädt förmlich zum Entdecken und Wohlfühlen ein. Die kreative Handschrift seiner stets fröhlichen und energiegeladenen Ehegattin Lilli hat aus dem Haus, das sich an einen malerischen Hügel unweit vom Zentrum des kleinen oberösterreichischen Orts Niederneukirchen schmiegt, ein gemütliches „Daheim“ gemacht.

Ein Heim, das dem welt bekannten Springreiter Ruhepol, Familientreffpunkt und endlich auch innere Heimat ist. Als Geschenk sieht der österreichische Ausnahmereiter seine Situation. Beruflich und privat. „Ich lebe heute in einer Familie. Einer schönen Familie. Sie zu spüren, das ist etwas Besonderes und war nicht immer so“, sinniert Thomas Frühmann, während er seinen fünfjährigen Sohn David betrachtet, der mit verschmitztem Grinsen auf Papas Schoß klettert. Ob er wohl mal Springreiter werden wird? „Wir lassen unsere Kinder selbst entscheiden, ob sie aufs Pferd wollen oder nicht“, lacht der Österreicher. „David und sein achtjähriger Bruder Markus sind von klein auf mit den Pferden vertraut, aber alles weitere… da mache ich keinen Druck. Das habe ich auch bei meinem Großen, dem Daniel nicht gemacht und er ist heute nicht nur am Pferdesport interessierter Sohn, sondern auch Freund und Kumpel, der mich, wann immer es geht, begleitet.“


Vaters Wunsch, Mutters Einfluss

Fruehmann_01
Thomas als Baby, bei der Kleinpferdevielseitigkeit auf dem
Haflinger "Wuk" und 1980 als österreichischer Staatmeister
© Frühmann privat


Er selbst hat anderes erfahren. Der Vater, bekannter Psychiater in Thomas Geburtsort Wien, sieht für seinen Sohn ebenfalls die Arztkarriere als den erstrebenswerten Beruf. „Ich wusste aber bereits mit zehn, dass ich Springreiter werden will. Das und nichts anderes.“ Den Grundstein zur Pferdeliebe hatte seine reitbegeisterte Mutter gelegt. Thomas sammelt nach anfänglicher Scheu vor den großen Pferden erste Erfahrungen im Reitinstitut in der Barmherzigen Gasse in Wien und Jugendreitlagern in Wiener Neustadt.

„Das erste Springen meines Lebens habe ich in Laxenburg auf einem Schulpferd gewonnen. Ein Traum!“ Die Schule hingegen war vor allem im TGM (Technisches Gewerbemuseum) für den Arztsohn fürchterlich. „Ich bin etwa eineinhalb Jahre vor der Matura mit 360 reitbedingten Fehlstunden, davon waren wiederum rund 290 unentschuldigt, ausgeschieden.“ Statt dem Abitur wartet nun auf den wissbegierigen 17-Jährigen eine Lehre bei keinem Geringeren als Ottokar Pohlmann, der sich nicht nur als Olympiateilnehmer in der Military (1960 in Rom) einen Namen gemacht hat, sondern später auch durch den von ihm 1972 gebauten Cross, der zum Paradebeispiel für Fairness in der olympischen Geschichte avanciert.

Nach den Pohlmann-Lehrjahren kehrt der Reitbegeisterte nach Österreich zurück und findet unter anderem in Ing. Haltmeyer einen wichtigen Förderer, der ihm die Pferde FBI, Leonardo und SOS zu Verfügung stellt. Gut Andlershof unweit von Wien ist seine neue Heimat, FBI und SOS die Partner für den Start in den großen Sport.


Schwierige geknackt

Fruehmann_02
Thomas Frühmann bei Alwin Schockemöhle mit Donau und
Bandit © Frühmann privat


Immer wieder kreuzen als schwierig eingestufte Pferde Thomas‘ Weg: Daphne, von der es heißt „Wenn Du vom großen Sport wegkommen willst, dann reite Daphne“ oder später Donau, von der man es nicht für möglich hält, mit ihr Erfolge zu haben. Thomas erkennt jedoch in ihr eine große Pferdepersönlichkeit, feiert mit ihr viele Siege und startet mit der Stute zum großen internationalen Erfolg.

„Alles was ich gemacht habe war immer einem Ziel unterworfen. Im Sport nach vorne zu kommen, besser zu werden.“ Doch um im Springsport international wirklich herauszukommen, gibt es in Österreich einfach zu wenige Möglichkeiten. Im Jahr 1981 lernt er eines Abends mit Alwin Schockemöhle einen der weltweit erfolgreichsten Springreiter kennen. Die langen Gespräche enden mit Alwins Worten: „Thomas, wenn es nicht mehr geht, dann pack deine Pferde zusammen und komm zu mir“. Auf das sollte der Österreicher noch zurück-greifen, doch vorerst vermittelt ihm Georg Ahlmann, Vater von Christian Ahlmann, einen Job im Heidener Gestüt Römersee, dem Schaffens ort von C&A Mitbesitzer Gerhard Brenninkmeyer. Der Österreicher findet für drei Jahre ein Paradies.

Dann stirbt ‚Brenni‘ an einem Infarkt. Freund Alwin Schockemöhle hat die eigenen Worte nicht vergessen und holt den Mann mit dem „Gott begnadeten Talent“ in den eigenen Turnierstall im Oldenburger Land. Der Erfolgreiche fasziniert ihn, die Art, auf die Pferde eingehen zu können, sie in ihrer Art zu lassen und dennoch zu Höchstleistungen anzuspornen. Thomas gehört zu diesem Zeitpunkt bereits zur Spitze. Gewann mit der rot-weißroten Equipe, 1980 bei „Ersatz-Olympia“ in Rotterdam (NED) Bronze und hatte dabei mit seiner Stute Donau nicht nur als einer von lediglich drei Reitern den Nationenpreis mit zwei Nullrunden absolviert, sondern auch mit neun Starts und neun fehlerfreien Ritten für weltweite Furore gesorgt.


Höhenflüge und Durststrecken

Weltcupfinale_Del_Mar
Thomas mit Genius beim Weltcupsieg  in Del Mar 1992
© Frühmann privat


Es scheint, als könne Thomas nichts mehr stoppen. Der Mann mit der feinen Hand und dem eigenwilligen Stil gewinnt unter anderem drei Mal das Deutsche Derby in Hamburg, wird 1990 Sieger im Großen Preis von Aachen, holt auf dem unvergessunvergesslichen Schimmel Genius 1992 im kalifornischen Del Mar (USA) den Weltcup und nur wenige Monate danach kam Olympisches Silber mit dem Team (Thomas Frühmann/ Genius, Hugo Simon/Apricot D, Boris Boor/Love me Tender, Jörg Münzner/ Graf Grande) in Barcelona (ESP) dazu.

Zwischendrin werden am 15. Mai 1990 die sportlichen Höhenflüge von privater Seite getoppt: Thomas Frühmann wird zum ersten Mal unglaublich stolzer Vater. Sohn Daniel, der heute mit seinen 20 Jahren an den ganz jungen Frühmann erinnert, erblickt das Licht der Welt. Doch der Richtungswechsel in der Karriere des österreichischen Ausnahmereiters beginnt, wie so oft, nach den größten Erfolgen. Genius wird nach Mexiko verkauft, Grandeur und Lamor scheiden gesundheitsbedingt aus dem Sport und für seinen Sohn Daniel ist 1995 die Einschulung nicht mehr weit entfernt.

FruehmannThomasDaniel
Thomas mit seinem Ältesten, Daniel, der heute 20 Jahre alt ist
© Manfred Leitgeb


„Von Deutschland wieder weggehen zu müssen, war im ersten Moment nicht so schlimm, die Weltklassepferde waren weg, Daniel sollte immer schon in Österreich in die Schule kommen und ich hatte ja den Bau eines Reitstalls in Aussicht.“ Die Versprechungen des vermeintlichen Partners enden indessen für Thomas in einer nicht vorhersehbarer Pleite und einer gar nicht einfachen Zeit: „Ich bin mit riesigen Versprechungen nach Salzburg gegangengegangen und das ist innerhalb von zwei Jahren wiederum riesig in die Hose gegangen. Da war die Normalität gleich wieder da.“ Österreichs Vorzeigereiter ist berufl ich und privat in der Krise. Viele so genannte Freunde fallen weg, finanziell wird es eng. Zukunftsängste? „Ja, in dieser Zeit habe ich echt nicht gewusst, wie es weitergeht.“


Nicht ohne Lilli

FruehmannThomas_Lilli
Hochzeit Mit Lilli © Manfred Leitgeb


Doch es gibt auch Wegbegleiter, die weiter an ihn glauben, ihn unterstützen oder ganz einfach nur ehrliche Freunde sind. Vor allem aber gibt es Lilli: Pferdebegeistert, selbstbewusst, warmherzig und stark: Thomas‘ Liebe. Die Beiden tingeln mit den Pferden durch Österreich und Italien. Halten sich mit kleinen Sponsorverträgen und Gewinngeldern über Wasser. Wie man sich da fühlt. Als gefallener Großer? „Nein. Zufrieden waren wir“, kommt einträchtig von beiden, die sich zurück erinnern und deren Augen strahlen. „Eine wunderschöne Zeit war das", so Thomas und grinst seine Lilli an. „Wir haben am gleichen Strang gezogen. Und wir hatten Erfolg. Eben auf Ein- oder Zwei-Sterne-Turnieren, aber ich hatte nie ein Problem damit, zwei Schritte zurück zugehen. Das Wohnwagenerlebnis war für mich neu… und wunderschön. Noch heute gilt für mich: Ich fahre lieber mit Lilli im Wohnwagen los, als alleine ins Hotel.“

Mit der Stärke, die in ihrer Gemeinsamkeit liegt, fasst Thomas auch innerlich wieder Fuß und der November wird zum Monat der familiären Highlights: Im November 2002 heiraten die Beiden aufgeregt und schwer verliebt, im selben Monat wird Thomas zum zweiten Mal Vater, Sohn Markus liegt in seinen Armen und drei Jahre darauf im November sorgt Klein-David für viel Action im Hause Frühmann.

FruehmannThomasKids
Thomas mit Markus und David © Manfred Leitgeb


Wie Phönix aus der Asche steigt Thomas dann im März 2004 auch sportlich wieder in die internationalen Top-Sphären auf und feiert ein unglaubliches Comeback, das ihn in den weltweiten Mittelpunkt des Öffentlichkeitsinteresses rückt. Ermöglicht durch den Kauf des Westfalenwallachs The Sixth Sense, den seine – ihm freundschaftlich verbunden gebliebene – erste Frau Serena Hamberg möglich macht.

FruehmannThomasSense
Lebensfreunde: Thomas und The Sixth Sense © Manfred Leitgeb


Thomas‘ wahrlich unglaublicher Siegeszug seines Lebens beginnt mit dem feinsinnigen Pferd, das ideal zum Reiter mit „dem goldenen Gefühl fürs Pferd“ passt. 2004 gewinnt er mit dem Zorro T-Sohn nicht weniger als acht Große Preise und eine unglaubliche Serie mit vielen Grand Prix-Siegen beginnt und hielt mit dem Sieg im Weltcup von Genf 2005, den Weltcup-Siegen von Leipzig und Vigo 2006, dem Sieg als erster nicht-deutscher Reiter der Riders Tour Gesamtwertung 2006, dem zweiten Platz in der Global Champions Tour 2006, dem besten Pferd-Reiter-Paar 2006, dem Titel „Erfolgreichstes Springpferd des Jahres“ 2006, dem zweiten Platz in der Riders Tour Gesamtwertung 2007 und unzähligen weiteren Erfolgen bis zum Jahr 2009 an. Dann verletzte sich der feinfühlige Wallach und musste erst mal aus dem Sport herausgenommen werden.

Fruehmann_Thomas_Ludger
Who is Beerbaum? © Manfred Leitgeb


„Ich liebe dieses Pferd, es ist mit Abstand das beste Pferd meines Lebens“, sagt der Österreicher mit einer eigentümlichen Wärme in der Stimme. Einer von dem man meint, dass er doch in seiner bisherigen großen Karriere immer besondere Rösser unter dem Sattel hatte. Der bereits an drei Olympischen Spielen, vier Weltmeisterschaften und nicht weniger als acht Europameisterschaften teilgenommen und dabei das Weltcup-Finale 1992 in Del Mar sowie unzählige Große Preise gewonnen hat. Die paar äußeren Mängel von The Sixth Sense, wie die schiefe Hüfte oder das fehlende Lippenstück interessieren ihn dabei nicht, sondern werden zum Markenzeichen.

asp_wien_59
Thomas mit Sissy Jarz, Dieter Köfler und "Buschi" (Peter Gmoser) beim Alpenspan-Shooting in der Spnischen Hofreitschule in Wien © reitsportnews.at


Als legendär bezeichnet er die Leistungsbereitschaft und Sprungkraft seines Wallachs, die Leichtigkeit mit der er Hindernisse überwindet, aber auch seine Zickigkeit: „Er sieht und hört alles und er ist nicht einfach. Wenn man zum Abreiteplatz reitet, hat man das Gefühl, man fällt zig Mal runter, bevor man ankommt. Dort braucht er dann sein Herumgehopse und im Parcours geht er nicht am Zügel.“ Ob man das nicht hinbekommen könnte? „Nein. Ich lasse ihn einfach, wie er ist und im Parcours ist er dann voll bei der Sache … und ich schwör’s Dir: Der ist ein Mensch“, sagt Thomas, der feinsinnige Spezialist, der in Niederneukirchen seine Heimat, in Lilli seine große Liebe und in The Sixth Sense seinen kongenialen Partner gefunden hat. Der laboriert zur Trauer seiner Fans jedoch nun schon bald ein Jahr an einer Verletzung und wird gerade wieder antrainert. Ob er wieder kommt? "Wenn nicht, dann zieh auch ich meinen Hut", meint Thomas Frühmann ruhig und sicher.

reitsportnews – Ruth Büchlmann

Der Artikel von Ruth Büchlmann erschien in das!Pferdemagazin
Seiten 1 und 2
PortraitFruehmann01

Seiten 3 und 4
PortraitFruehmann02

Quelle: www.reitsportnews.at

 
 
  alpenspanbwclipmybwalpenspanbwkannebwequi_bwalpenspanbwhealth_bwCI_reitsportnews_72dpi_RGB_bwalpenspanbw